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“Momentum14: Emanzipation” fand von 16. – 19. Oktober 2014 statt. Die Eröffnungsrede von Barbara Blaha und die Keynote von Kathrin Hartmann leiteten den Kongress ein, an dem rund 250 Personen teilnahmen. Wieder luden 10 Tracks zu Diskussion und Austausch ein. Monika Klengel performte ihr Programm “VERSCHWINDEN”. Einen Abschluss fanden die spannenden Tage in Hallstatt in einer Matinee mit Klaus Werner-Lobo. Unterlagen und Bilder zu „Momentum14: Emanzipation“  finden sich im Rückblick.

   

Tracks

Das Generalthema des diesjährigen Momentum-Kongress ist „Emanzipation“. Im Zentrum des Austausches stehen die zehn Tracks. Ein Track (#10) wird in englischer Sprache abgehalten.

Track #1: Eckpfeiler einer emanzipatorischen Entwicklungspolitik

Leitung: Inken Wiese, Stefan Grasgruber-Kerl

Entwicklungspolitik ist sowohl hinsichtlich ihrer Ziele als auch ihrer Instrumente regelmäßig gegenläufiger Kritik ausgesetzt. Die Kritik reicht von dem Vorwurf, dass Entwicklungspolitik von neo-kolonialistischen Motiven und neoliberalen Konzepten durchsetzt sei, bis hin zum Verweis auf die vermeintliche oder tatsächliche Wirkungslosigkeit der Entwicklungspolitik. Die Identifikation von Eckpfeilern einer emanzipatorischen Entwicklungspolitik erfordert demnach eine schonungslose Evaluation bestehender Ziele und Instrumente zur Reduktion globaler Ungleichheit. Parallel zu dieser Kritik an klassischen entwicklungspolitischen Konzepten finden in den letzten Jahren vermehrt neue Ansätze Eingang in den Mainstream der entwicklungspolitischen Diskussion, wie zum Beispiel Commons-orientierte Entwicklungsstrategien. Vieler dieser neuen Strategien zeichnen sich durch den Versuch aus, eine auf interpersonalen Netzwerken basierende Entwicklungspolitik jenseits von Staat und Markt voranzutreiben.

Im Kontext einer sich wandelnden Entwicklungszusammenarbeit sollen folgende Fragen bearbeitet werden:

  • Welche Ziele verfolgt emanzipatorische Entwicklungspolitik?
  • Wie geht sie mit Zielkonflikten um?
  • Nach welchen Kriterien werden entwicklungspolitische Projekte als erfolgreich eingestuft?
  • Was lässt sich aus Erfolgs- bzw. Misserfolgsfällen lernen?
  • Welche emanzipatorischen Potenziale gehen mit neuen entwicklungspolitischen Instrumenten jenseits staatlicher Entwicklungszusammenarbeit einher?
  • Wie verhalten sich commons-basierte zu staats- oder marktorientierten Ansätzen der Entwicklungspolitik?
  • Welche Widersprüche und Synergien sind hier möglich?

Track #2: Inklusion und Vielfalt in der Stadt

Leitung: Brigitte Wotha, Jens Dangschat

Entwicklung und Wachstum von Städten ist immer auch Ausdruck ökonomischer Veränderungen. Die wachsende Bedeutung von Ballungsräumen als Knotenpunkte gesellschaftlicher Auseinandersetzung steht in einer Wechselwirkung mit den ökonomischen Potenzialen der Stadt und den damit einhergehenden Beschäftigungs-, Bildungs- und Emanzipationsmöglichkeiten. Die Genese von Städten ist stets begleitet von sozialen Entwicklungen, Interaktionen und Konflikten verschiedener Bevölkerungsgruppen. Dabei haben die planerische Gestaltung und die Bereitstellung sozialer Infrastruktur große Bedeutung für das Zusammenleben in Städten. Dieser Track beschäftigt sich mit der Frage, wie die Gestaltung urbaner Umwelt und die Schaffung sozialer Einrichtungen Einfluss auf den städtischen Alltag nehmen und inwiefern dabei auch die zunächst ungleich verteilten Handlungschancen der BewohnerInnen adressiert werden.

Unter anderen sollen folgende Fragen konkret behandelt werden:

  • Welche sozialen und verkehrspolitischen Folgen unterschiedlicher städtebaulicher und wohnungspolitischer Konzepte können festgemacht werden?
  • Welche Bedeutung hat die (Binnen-)Migration für die Entwicklung der Städte?
  • Wie können die verschiedenen Bedürfnisse nach Status und sozialem Einfluss unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen in der Planung berücksichtigt werden?
  • Welche praktischen Erfahrungen können aus der sozialen bzw. pädagogischen Betreuungs- und Begleitungsprojekten in Stadtteilen, Parks und Sozialeinrichtungen gewonnen werden?
  • Welche weiteren Potenziale für inklusive Kommunalpolitik gibt es?

Track #3: Emanzipation in kulturwissenschaftlicher Perspektive

Leitung: Lucile Dreidemy, Cornelia Siebeck

In der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Emanzipationsbewegungen stehen meist die beiden augenfälligsten Faktoren im Zentrum des Interesses: wer artikuliert welches Anliegen? Emanzipationsbewegungen lassen sich aber auch als Erfahrungszusammenhänge verstehen: Menschen sehen sich vor ähnliche Probleme gestellt und finden im Bemühen, ihre Situation zu verbessern, zueinander. Der Prozess ihrer Formierung als zielgerichteter Gruppe ist durchwegs begleitet von der Herausbildung einer spezifischen Kultur, die zwar eine invented tradition so gut wie immer mit einschließt, darüber aber weit hinausgeht. Kulturen der Emanzipation sind in einem engeren Verständnis Bewegungskulturen und speisen sich als solche aus Versatzstücken interner Gebräuche und Normen, reproduzieren Distinktion und sollen über die eigene Klientel hinaus Attraktivität vermitteln. In einer weiteren Perspektive sind Emanzipationsbewegungen kulturelle Türöffner, die  absichtlich oder nicht  neue Freiräume erschließen, etwa indem sie Kulturschaffende inspirieren und sie mit einem neuen Publikum konfrontieren.

Der Erfolg von Bewegungen, die nach mehr Gleichheit streben hängt stark von der Frage ab, wie kompatibel sie mit dominanten Paradigmen sind, welche Strahlkraft ihre jeweilige Vision gerade im Bereich der Alltagskultur zu entwickeln vermag. Anhand konkreter historischer Beispiele widmet sich der Track Emanzipations- und Protestkulturen im weitesten Sinne. Von Interesse sind konkrete Ausdrucksformen und Mechanismen ihrer Reproduktion ebenso wie Strategien einzelner AkteurInnen bzw. Akteursgruppen. Weiterhin wird nach Ursachen und Bedingungen für die erfolgreiche Durchsetzung bestimmter kultureller Muster gefragt, ebenso wie nach den Gründen für ihr Scheitern. Im Fokus steht damit nicht nur die jeweilige Kultur selbst, sondern auch der Prozess ihrer Aneignung und damit die Frage nach der Wahrnehmung von Emanzipationskulturen.

Track #4: Organisierte Emanzipation?

Leitung: Florentine Maier, Leonhard Dobusch

Viele Errungenschaften die wir heute als gesellschaftlichen Fortschritt erachten, sind durch Bewegungen erkämpft worden, die ein klares Ziel verfolgt haben. Meist ging es um gesellschaftliche Zustände, die als Unterdrückung, Ungleichbehandlung, Repression oder ganz generell als veraltet bezeichnet wurden. Sich aus diesen Zuständen zu befreien, ist ein Akt der Emanzipation. Die Relation von Emanzipation und Organisation ist dabei überaus ambivalent: Einerseits setzt die These von der Emanzipation des Individuums irgendeine Art verhältnismäßig rückständiger sozialer Organisation voraus, die es zu überwinden gilt. Andererseits ist die Organisiertheit der Individuen oftmals eine zentrale Voraussetzung zur Entwicklung emanzipatorischen Gedankenguts sowie seiner praktisch-politischen Implementierung. Die Gretchenfrage dieses Tracks lautet daher, welches Maß an Organisation Emanzipation braucht und wie sich dieses Spannungsfeld zwischen individueller und kollektiver Emanzipation im Detail gestaltet. Im Zentrum steht die Frage ob bestehende organisationale und institutionelle Strukturen die individuelle oder gesellschaftliche Emanzipation befördern, wie sie dies bewerkstelligen und welche alternativen Organisationsformen potenziell vielversprechend erscheinen.

Andere mögliche Fragestellungen lauten:

  • Welchen Konnex gibt es noch zwischen Emanzipation und Politik?
  • Wie ist die traditionell verbandsorientiere Politik- und Parteienlandschaft noch kompatibel mit dem Individualismus der Post-Moderne, der keine lebenslangen Bindungen mehr kennt?
  • Wie kann ein aufgeklärtes Wissenschaftsverständnis, das sich der Fehlbarkeit jedweder Aussagen bewusst ist, eine Politik adäquat informieren, die nichts lieber hätte als klare und garantiert fehlerfreie Werbeformeln?
  • Welche Organisationsformen haben die individuelle oder kollektive Emanzipation in der Vergangenheit gefördert und welche Potenziale bieten diese Vehikel für die Zukunft?
  • Gibt es einen natürlichen Lebenszyklus von Organisationsformen oder hängt die emanzipatorische Qualität einer Organisation von deren sensibler und umsichtiger Führung ab?

Track #5: Emanzipation und soziale Sicherheit

Leitung: Christine Mayrhuber, Ingrid Mairhuber

Die Geschichte des Sozialstaats ist geprägt vom Widerspruch zwischen sozialer Disziplinierung und dem Streben nach der Befreiung von sozialen Risken und den Übeln des Elends, der Arbeitslosigkeit, der Wohnungsnot und des Bildungsmangels. Historisch gesehen war die Einführung der sozialen Sicherungssysteme oftmals auch zugleich ein Abwehrkampf wider die politische Emanzipation breiter Bevölkerungsschichten. Während auf der einen Seite materielle Absicherung Grundvoraussetzung für Selbstbestimmung ist, kann gerade dieses Element durch bürokratische Hürden oder schwer durchschaubare Zugangsbedingungen empfindlich eingeschränkt werden und so die individuelle Handlungsfreiheit unterminieren. Aus dieser Perspektive stellt sich auch die Frage inwiefern soziale Sicherungssysteme Ungleichbehandlungen auf anderen gesellschaftlichen oder institutionellen Ebene reproduzieren oder ob sie diese zu kompensieren vermögen. Die Frage, welche rechtlichen und sozialen Maßnahmen es braucht um die allgemeine Zugänglichkeit sozialstaatlicher Angebote sicherzustellen ist dabei eine besonders drängende. Vor diesem Hintergrund beleuchtet dieser Track das emanzipatorische Potenzial sozialer Sicherungssysteme und ihrer verschiedenen Elemente und Formen zur Erbringung sozialer Sicherungsangebote.

Konkret sollen folgende Themen behandelt werden:

  • Wo steht der Sozialstaat in Österreich und in anderen Ländern zwischen emanzipatorischer Wirkung und Bevormundung?
  • Mit welchen Maßnahmen kann die emanzipatorische Wirkung sozialer Sicherheit verstärkt werden? Inwiefern und aus welchen Motiven wird die Reichweite sozialer Sicherungssysteme politisch oder praktisch eingeschränkt?
  • Welche Auswirkung hat die Form der Erbringung sozialer Dienstleistungen (Staat, Gemeinde, Sozialversicherung, NPOs) für Ausgestaltung und Qualität dieser Leistungen
  • Welche Bedeutung haben Beschäftigungsangebote und – formen im Bereich der sozialen Sicherheit?

Track #6: Ökonomik und Emanzipation

Leitung: Katharina Mader, Sigrid Stagl

Wachstum, wirtschaftliche Entwicklung und Fortschritt sind jene Zielsetzungen, die gemeinhin von progressiver Wirtschaftswissenschaft verfolgt werden. Schon die Kompatibilität dieser drei Ziele ist angesichts von Entfremdungserfahrungen, technologisch induzierter Arbeitslosigkeit und ausuferndem Verbrauch natürlicher Ressourcen keineswegs automatisch gegeben. Diesbezügliche Debatten fokussierten in den letzten Jahren vor allem die Messung von wirtschaftlichem Wohlstand, die Folgen von ökonomischer Ungleichheit sowie die Voraussetzungen für ökologische Nachhaltigkeit. Aufbauend auf den Erkenntnissen aus diesen Debatten versucht dieser Track emanzipatorische Potenziale wirtschaftspolitischer Konzepte und Maßnahmen zu ergründen.

Zu diesem Zweck soll dieser Track konzeptionelle und empirische Erkenntnisse aus verschiedenen ökonomischen Denkrichtungen zusammenbringen und auf diese Weise folgende Fragen adressieren:

  • Welches Verständnis von Emanzipation liegt verschiedenen ökonomischen Theorien zu Grunde bzw. wie kompatibel sind verschiedene Ansätze?
  • Wie kann angewandte Wirtschaftspolitik ein adäquates Fundament für ein Leben ohne materielle Nöte bieten, das seinerseits wiederum oftmals Voraussetzung oder Ausgangspunkt emanzipatorische Entwicklungen ist.
  • Was braucht die Ökonomie um sich aus dem engen Korsett des neoklassischen Mainstream zu emanzipieren?
  • Wie lässt sich eine „Ökonomie der Selbstermächtigung“ vor dem Hintergrund der multiplen Krisen des 21. Jahrhunderts heute begründen und praktisch umsetzen?

Track #7: Herausforderungen der Geschlechter- und Diversitätsforschung

Leitung: Andrea Bührmann, Edeltraud Hanappi-Egger

Eine der ältesten Strategien der Frauenbewegungen ist das Engagement für Zugang und gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt, am politischen wie gesellschaftlichen Leben. Nach wie vor sind Frauen in hohen politischen Ämtern oder Top-Managementpositionen nur marginal vertreten, gibt es Geschlechtersegregation am Arbeitsmarkt. Gleichzeitig wurden die feministischen Teilhabekämpfe durch ein verstärktes Augenmerk auf andere Ungleichheitsverhältnisse etwa in den Bereichen ethnischer Herkunft, Einkommen, Religionszugehörigkeit oder Behinderung ergänzt und erweitert. Mit dieser intersektionalen De-Zentrierung von Geschlechterfragen sind Chancen (z.B. Sensibilität für multiple Exklusionsmechanismen) ebenso wie Risiken (z.B. Rückbau von Frauenförderungsprogrammen) verbunden. Auch in der Sprache sind diesbezügliche gesellschaftliche Umbrüche und Neuerungen erkennbar (Unterstrich, Sternchen etc.), werden aber gleichzeitig nur selektiv nachvollzogen. Sprache als zentrale Kommunikationsform spiegelt dabei gesellschaftliche Machtverhältnisse nicht nur wider, sondern reproduziert diese auch. Das macht Sprache genauso wie gesellschaftliche und organisationale Strukturen zum Ansatzpunkt für emanzipatorische Bestrebungen.

Diesen Themenbereichen widmet sich der Track anhand konkreter Fragestellungen:

  • Welche Teilhabe- und Inklusionskonzepte gibt es überhaupt? Wie können sie definiert und letztlich an der Lebensrealität marginalisierter Personen(gruppen) gemessen werden?
  • Wie kann eine Gesellschaft, eine Organisation inklusiv gestaltet werden? Wie kann ich konkret in meiner Organisation, in meinem Arbeitsumfeld politische Forderungen nach Gleichberechtigung und einem affirmativen Umgang mit Diversität Folge leisten?
  • Wie können die Diskurse zur gleichberechtigten Teilhabe der Frauen und zur Vielfalt und Barrierefreiheit von Strukturen voneinander profitieren? Stellen Geschlechter-  und Diversitätsdiskurse Kontroversen oder zwei fruchtbringende Ansätze dar?
  • Wo liegen die Potenziale, wo die Grenzen für sprachorientierte Emanzipationsstrategien? Wie können diese niederschwellig gestaltet werden?

Track #8: Emanzipation durch Bildung?

Leitung: Harry Friebel, Wibke Boysen, Kerstin Rothe

Seit Beginn der Aufklärung gilt Bildung als eine zentrale Voraussetzung für individuelle und gesellschaftliche Emanzipation. Diese Vorstellung wurde in den Anfängen der organisierten Arbeiterschaft um die Hoffnung erweitert, dass Bildung auch als wesentlicher Transmissionsriemen für mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft fungieren würde. Die ArbeiterInnenbewegung fungierte daher gerade in ihren Anfängen immer auch als Bildungsbewegung. Auch wenn diese Grundthese von Bildung als Voraussetzung für Emanzipation und gleiche gesellschaftliche Teilhabe im heutigen Diskurs, der sich primär an ökonomisch-instrumentell verwertbarer Ausbildung, und weniger an ganzheitlich-emanzipatorisch gedachter Bildung orientiert, etwas verstaubt wirken mag, hat die Kernfrage nach dem emanzipatorischen Potenzial von Bildungsarbeit nichts von ihrer Aktualität verloren und betrifft Inhalt und Methodik von Bildung gleichermaßen.

  • Was ist das Ziel emanzipatorischer Bildungsarbeit? Wer die Zielgruppe? Welche Vermittlungsformen haben sich als erfolgreich erwiesen, welche nicht? Welches Verhältnis von Sach- und Orientierungswissen ist anzustreben, oder lässt sich beides ohnehin nicht von einander trennen?
  • Welche Rolle in einer Erziehung zur Freiheit kommt Film, Musik und Literatur zu? Und wessen Aufgabe soll emanzipatorische Bildungsarbeit überhaupt sein? Die des öffentlichen Schulsystem, etwa im Rahmen der politischen Bildung? Oder jene von Interessensorganisationen und NGOs?
  • Vor welchen Herausforderungen stehen Bildungsinstitutionen nun im Kontext der weit fortgeschrittenen Bildungsökonomisierung?

Track #9: Emanzipation durch Innvoation?

Leitung: Thomas Gegenhuber, Doris Allhutter

Innovationsfähigkeit gilt als zentrale Stärke offener Gesellschaften. Neben wirtschaftlicher und technologischer wird zusehends auch soziale und politische Innovation gefordert. In allen Bereichen gilt jedoch, dass Innovation immer auch mit Zerstörung bestehender Strukturen einher geht. Wie die Folgen einer Vielzahl von „Finanzmarktinnovationen“ gezeigt haben, muss diese keineswegs immer im Schumpeterschen Sinne „schöpferisch“ ausfallen. Schließlich bleibt stets die Möglichkeit, dass die destruktiven Folgen von Innovationen deren gesellschaftlichen Beitrag signifikant übersteigen. Auch die Folgen technologischer Innovation für Umwelt, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung sind keineswegs immer klar als Fortschritt auszuweisen. Umgekehrt sind aber auch emanzipatorische Bewegungen immer auch innovative Bewegungen bzw. häufig auf komplementäre Innovationen angewiesen. Es stellt sich also die Frage nach dem teilweise widersprüchlichen Verhältnis von Innovation und Emanzipation für wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Entwicklung.

Konkret ist das Ziel dieses Tracks die Bearbeitung folgender Fragen:

  • Was sind die Eckpfeiler einer emanzipatorischen Innovationspolitik? Wie lässt sich Innovation regulieren bzw. welche Regulierung ist für Innovationsoffenheit erforderlich?
  • Ist die Schumpetersche Ambivalenz der Innovation Grund für eine allgemeine Innovationsskepsis? Wenn ja, wie lässt sich eine solche weitreichende Warnung plausibel begründen, wenn nein, was lässt sich dann aus einer solch kulturpessimistischen Betrachtungsweise lernen?
  • Wie wirken wirtschaftliche, technologische, und soziale Innovationen zusammen? Wie ist das Verhältnis von Innovation, Wachstum und Entwicklung?
  • Wie verhält sich ein emanzipatorisches zu einem neoliberalen Innovationsverständnis? Welche Chancen und Gefahren sind mit unterschiedlichen Innovationsbegriffen verbunden?

Track #10: Emanzipatorisches (in) Europa?

Leitung: Sonja Buckel, Lukas Oberndorfer

So sehr der friedensstiftende Charakter des europäische Einigungsprozesses betont wird, so sehr war und ist er geprägt von neoliberalen Grundsetzen und Maßnahmen. Im Zuge der Finanz- und Eurokrise wurden die Widersprüchlichkeit dieses Einigungsprogramms und die demokratiepolitischen Defizite auf dramatische Weise sichtbar. Gleichzeitig stellen sich mit der Zuspitzung sozialer Konflikte Fragen nach einer emanzipatorischen Europapolitik mit neuer Dringlichkeit: Welche Spielräume und Beispiele für emanzipatorische Politik gibt es in einem zunehmend autoritären Institutionengefüge? Wo gibt es Ansatzpunkte für grundlegendere Veränderung hin zu einem demokratischeren und sozialeren Einigungsprozess? Und wie könnte ein emanzipatorisches Europa aussehen?

Emancipatory (in) Europe?

However much the peacekeeping character of the European unification process is emphasized, this process is and always has been dominated by neoliberal principles and measures. The financial and Euro crisis, has highlighted the contradictions and democratic deficits of this unification programme dramatically. Meanwhile, growing social conflicts pose the question as to how emancipatory European politics might look with new urgency: what examples of emancipatory politics can we find within an increasingly authoritarian institutional framework? Are there, as yet, any signs of a truely fundamental change towards a more democratic and social unification process? And what would an emancipatory Europe look like?

PreConferences

Im Vorfeld zum Kongresses „Momentum14: Emanzipation“ werden auch heuer wieder Pre-Conference Workshops angeboten. In drei Workshops erhalten Momentum TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich schon im Vorfeld des Kongresses mit bestimmten inhaltlichen Themen vertraut zu machen und auseinanderzusetzen. Die Pre-Conference Workshops finden am Donnerstag, 16. Oktober 2014 von 14:00 bis 17:30 statt.

Workshop 1: Gutes Leben für alle

Leitung:  Andreas Novy und Alexandra Strickner

Die Interpretationen des Umbruchs sind vielfältig; gegenwärtig stehen insbesondere ökologische Ansätze, die zumeist Energie- und Ressourcenverbrauch als Kern des Problems identifizieren, und sozioökonomische Ansätze, die die zunehmende Ungleichheit als zentrales Problem sehen, neben- und teilweise gegeneinander. Dies führt zur Fragmentierung der verschiedenen linken und kritischen AkteurInnen. Demgegenüber könnte ein gemeinsamer utopischer Horizont eines guten Lebens für alle Auswege aus diversen strategischen Dilemmata anbieten: kurzfristige kleine Schritte und große Transformation; soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit und Keynesianismus und Postwachstum.

Der Workshop ist dialogisch aufgebaut und in zwei Teile geteilt. Im ersten Teil folgt auf ein Impulsreferat der LeiterInnen eine allgemeine Diskussion; im zweiten Teil gibt es erneut ein Impulsreferat der LeiterInnen zu den politischen Konsequenzen und diversen Aktivitäten und Veranstaltungen, insbes. dem Gute Leben für alle-Kongress an der WU, 20. bis 22.2. 2015.

Workshop 2: Momentum Young Research

Leitung: Leonhard Dobusch und Astrid Mager

Für viele TeilnehmerInnen ist der Momentum Kongress bzw. eine Veröffentlichung in der Zeitschrift Momentum Quarterly ein erster Einstieg in wissenschaftliches Arbeiten unter professionellen Bedingungen. Wie in anderen Feldern auch, gibt es in der Wissenschaft eine Vielzahl an ungeschriebenen Regeln und Konventionen, die zu kennen hilfreich ist – und zwar gerade auch dann, wenn man ihnen eher kritisch gegenüber steht. Der Pre-Conference-Workshop „Momentum Young Research“ soll den Einstieg in wissenschaftliches Arbeiten im Rahmen eines strukturierten Erfahrungsaustauschs mit etablierteren WissenschaftlerInnen unterstützen. Im Vordergrund steht die Diskussion von Fragen wie die Folgenden:

  • Wie funktioniert ein Begutachtungsprozess bei wissenschaftlichen Zeitschriften?
  • Worauf kommt es beim Verfassen von wissenschaftlichen Artikeln an?
  • Welche Publikationsstrategie ist zu Beginn einer wissenschaftlichen Laufbahn empfehlenswert?
  • Was sind die Vor- und Nachteile strukturierter Doktorandenprogramme bzw. einer Lehrstuhlpromotion?
  • Welche Bedeutung haben Forschungskonferenzen und worauf gilt es bei ihnen zu achten?
  • Welche Möglichkeiten für die Finanzierung von Forschungsvorhaben gibt es?

Zu Beginn des Workshops sollen weitere Fragen gesammelt und dann gemeinsam Schwerpunkte für den Erfahrungsaustausch festgelegt werden. Der Workshop richtet sich vor allem an TeilnehmerInnen, die am Anfang einer wissenschaftlichen Laufbahn stehen oder sich eine solche zumindest vorstellen können.

Workshop 3: EU-USA-Handelsabkommen TTIP – Ein neoliberaler Angriff auf öffentliche Interessen?

Leitung:  Nikolai Soukup und Simon Theurl 

Das seit Juli 2013 verhandelte Handels- und Investitionsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) steht im Mittelpunkt kontroverser politischer Auseinandersetzungen. Während die EU-Kommission den transatlantischen Handelsdeal als Motor für Wachstum und Beschäftigung bewirbt, warnen immer mehr Stimmen vor einer Aushöhlung von Regeln im öffentlichen Interesse und privilegierten Rechten für multinationale Konzerne.

Im Rahmen des Workshops soll zuerst eine Bestandsaufnahme des politisch-ökonomischen Kontexts der Verhandlungen stattfinden, bevor die ökomischen Studien zu den Effekten von TTIP und deren politische Instrumentalisierung kritisch bewertet werden. Darüber hinaus thematisiert der Workshop den Modus des TTIP-Verhandlungsprozesses und gibt einen Einblick in einige zentrale Konfliktpunkte der TTIP-Verhandlungen (u.a. der Abbau von Regulierungsunterschieden, öffentliche Dienstleistungen, Investitionsschutz) und mögliche Auswirkungen des Abkommens für die Interessen von ArbeitnehmerInnen, KonsumentInnen und der Umwelt sowie den politischen Handlungsspielraum des Staates. Der Workshop soll auch Raum für die Diskussion über Strategien hinsichtlich eines Kurswechsels zu einer demokratischen, sozialen und ökologischen Handelspolitik bieten.