Resume

Von 10. bis 13. Oktober 2018 fand der Kongress Momentum statt. Unter dem Generalthema Klasse trafen sich etwa 250 TeilnehmerInnen. Die Eröffnungsrede wurde von Barbara Blaha gehalten, gefolgt von der Keynote von Autorin Ulrike Herrmann. Die Wiener Autorin Stefanie Sargnagel gestaltete den Freitag Abend mit einer Lesung. Bei der Abschlussmatinée am Sonntag sprach der Soziologe Stephan Lessenich. Mehr zu „Momentum18: Klasse“ findet sich im Rückblick Momentum18.

Tracks

Das Generalthema Momentum-Kongress war 2018 „Klasse“. Im Zentrum des Austausches standen diese zehn Tracks.

Track #1: Klasse – Schicht – Milieu

Trackmoderation: Carina Altreiter & Stephan Lessenich

  • Lässt sich die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts mit Hilfe des Klassenbegriffs sinnvoll fassen? Wenn ja: wie?
  • Wie können wir die gegenwärtige Renaissance der „Klasse“ als sozialwissenschaftliche und historische Kategorie erklären?
  • Können wir – zumal in Anbetracht des Nord-Süd-Konfliktes – von „globalen Klassen“ und analogen Interessen ausgehen?

Track #2: Interessen organisieren: Strategien und Konfrontationen

Trackmoderation: Susanne Haslinger & Christina Schildmann

  • Was lässt sich von Beispielen erfolgreicher Interessensvertretung lernen?
  • Wie lassen sich Solidarität und gemeinsame Identität in immer vielfältigeren Gesellschaften organisieren?
  • Was folgt aus (fehlendem) Klassenbewusstsein und sozialen Aufstiegsversprechen progressiver Bewegungen?

Track #3: Wir und die Anderen: Klasse und Identität

Trackmoderation: Can GülcüGloria Kutscher

  • Wie hängt die Formation von Klassenbewusstsein mit der Ausbildung von individueller und kollektiver Identität zusammen?
  • Wo liegen die „feinen Unterschiede“ in unserer Gesellschaft – wie werden sie vorangetrieben, kodifiziert und schließlich festgelegt?
  • Welche Rolle spielt die Kategorie Klasse im Selbstverständnis von Emanzipationsbewegungen im Kontext von race und gender?

Track #4: Hegemonie und Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter

Trackmoderation: Kathrin Ganz & Anna-Katharina Meßmer

  • Welche neuen und alten Fronten zwischen Klassen finden sich im Netz wieder?
  • Wie prägen Plattformen und Algorithmen digitales Verhalten im Allgemeinen und politische Prozesse im Speziellen?
  • Was sind Inklusionschancen und Exklusionsgefahren eines digitalen Klassenkampfes?

Track #5: Recht haben, Recht bekommen, Recht gestalten

Trackmoderation: Maria Lee & Eva Pentz

  • Kommt dem Begriff der „Klassenjustiz“ in der Gegenwart noch Berechtigung zu?
  • Welche Rolle können kollektive Interessensvertretungen und Klagsrechte von Verbänden bei der Beseitigung von Machtungleichgewichten in unserer Gesellschaft spielen?
  • Und welche Potenziale und Schranken hat die Rechtspolitik, um eine Gesellschaft der Gleichheit durchzusetzen?

Track #6: Bildung: erben, aufsteigen, herrschen?

Trackmoderation: Ingolf Erler & Iris Schwarzenbacher

  • Inwiefern trägt ein Bildungssystem zur Stabilisierung oder Subversion von Klassen bei?
  • Welches Wissen, welche Fertigkeiten vermittelt unser Bildungssystem? Wie könnten emanzipativere Ansätze aussehen?
  • Wie lässt sich der Erfolg des privaten Bildungssektors in den letzten Jahren erklären und welche Auswirkungen hat er auf das öffentliche Bildungssystem?

Track #7: Die Verteilungsfrage in der Klassengesellschaft

Trackmoderation: Romana Brait & Jakob Kapeller

  • Welche Rolle spielen gesellschaftliche Klassen für die Verteilung von ökonomischen Ressourcen, gesellschaftlicher Teilhabe, ökologischer Belastung und politischer Mitbestimmung?
  • Wie können die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse verschoben werden um Ungleichheit im Kapitalismus zu reduzieren?
  • Können in der Verteilungsforschung überhaupt soziale Klassen anstelle bloßer statistischer Größen identifiziert werden?

Track #8: Dimensionen der Ungleichheit

Trackmoderation: Astrid Biele Mefebue & Katharina Kreissl

  • Welche aktuellen Erkenntnisse umfassen die einzelnen Dimensionen der Ungleichheit (wie Klasse, Geschlecht, Herkunft) und wie gestalten sich diese im Verhältnis?
  • Entsprechen die aktuellen rechtlichen Möglichkeiten, Diskriminierungen oder Ungleichheiten zu bekämpfen den gesellschaftlichen Herausforderungen?
  • Wie können zentrale gesellschaftliche Aushandlungsräume (wie Schule, Arbeitsplatz, öffentlicher Raum) gezielt gestaltet werden?

Track #9: Wohlfahrt und Daseinsvorsorge im Spiegel der Klassenverhältnisse

Trackmoderation: Brigitte Aulenbacher & Julia Hofmann

  • Wie kann der Sozialstaat zur Verfestigung, wie kann er zur Überwindung bestehender Klassenstrukturen beitragen?
  • Welche progressiven Potenziale bieten Systeme der Selbstverwaltung in der Theorie und in der Praxis?
  • Welche Auswirkungen haben Ausgliederungen und Privatisierungen auf gesellschaftliche Machtverhältnisse und innerbetriebliche Arbeitsbeziehungen?

Track #10: Ökologie und die soziale Frage

Trackmoderation: Markus Koza & Irmi Salzer

  • Welche Widersprüche, welche Synergien gibt es beim Adressieren von sozialen und ökologischen Fragen?
  • Wie verhalten sich Wachstums-, Globalisierungs- und Verteilungsfragen zueinander?
  • Wie werden (vermeintliche) Widersprüche zwischen sozialen und ökologischen Fragen in verschiedenen ökonomischen Perspektiven konstruiert bzw. aufgelöst?

PreConferences

Preconferences mit Werkstattcharakter laden am ersten Konferenztag noch vor der Eröffnung dazu ein, sich mit einem Thema vertieft auseinanderzusetzen. Im Jahr 2018 fanden folgende Preconferences statt: 

  • Strategien für feministisches Engagement: Zwischen Utopie und Realpolitik
  • Momentum Young Research
  • 200 Jahre Marx

200 Jahre Marx

mit Hanna Lichtenberger & Florian Wenninger

Hanna Lichtenberger ist Historikerin und Politikwissenschafterin in Wien. Sie ist als Lektorin für Internationale Politische Ökonomie am Institut für Politikwissenschaft, wo sie gemeinsam mit Ulrich Brand und anderen eine Ringvorlesung zur Aktualität von Marx‘ Denkens im globalen Kontext anlässlich seines 200. Geburtstages organisiert hat. Außerdem arbeitet sie aktuell als parlamentarische Mitarbeiterin von Sabine Schatz zu Gedenkpolitik und Rechtsextremismus.

Florian Wenninger ist Historiker und Politikwissenschafter und arbeitet derzeit am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien zu den Themen Polizei- und Militärgeschichte, Österreichische Republiksgeschichte und Geschichtspolitik.

Momentum Young Research

mit Katja Mayer & Elke Schüßler

Die Soziologin Katja Mayer arbeitet an der Schnittstelle Wissenschaft-Technik-Gesellschaft. Sie erforscht wie sozialwissenschaftliche Methoden und Gesellschaft wechselwirken. Zur Zeit beschäftigt sie sich intensiv mit Computational Social Science und Big Data. Als Mitglied der Open Knowledge und des Open Access Netzwerk Austria OANA tritt sie für den öffentlichen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen und für offene Lizenzen in Wissenschaft und Technik ein. Elke Schüßler ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Vorständin des Instituts für Organisation an der Johannes Kepler Universität Linz. In Ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der Steuerung globaler Produktionsnetzwerke insbesondere im Hinblick auf deren Nachhaltigkeit, mit der Organisation kreativer Prozesse sowie mit der digitalen Transformation von Geschäftsmodellen und der Entstehung digitaler Märkte. Ihr theoretischer Fokus liegt auf der neoinstitutionalistischen Organisationstheorie. Sie ist Autorin zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge in führenden internationalen Fachzeitschriften wie dem Academy of Management Journal, Academy of Management Perspectives, Human Relations, Industrial and Corporate Change, Industry & Innovation, Industrial and Labor Relations Review or Technological Forecasting and Social Change.

Strategien für feministisches Engagement: Zwischen Utopie und Realpolitik

mit Lena Jäger & Christian Berger vom Frauenvolksbegehren sowie Angelika Striedinger

100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts, 20 Jahre nach dem ersten Frauenvolksbegehren: Auch im Jahr 2018 orientiert sich das aktuelle Frauenvolksbegehren an einer Vision von echter Gerechtigkeit und Wertschätzung, und entwickelt dabei konkrete und einfach umsetzbare Forderungen – etwa Gehaltstransparenz, Unterhaltsvorschuss oder Beratungsstellen.

In diesem Workshop diskutieren wir, wie diese Forderungen entstanden sind, in einem Spannungsfeld aus feministischen Utopien und dem Anspruch auf realpolitisch umsetzbare Projekte. Vertreter*innen des Frauenvolksbegehrens geben Einblick hinter die Kulissen: in Verhandlungen und Allianzschmieden, in Kompromisse und Argumentationsstrategien.

Christian Berger ist einer der Sprecher*innen des Frauenvolksbegehrens und vertritt die Forderungen bei Interviews und Veranstaltungen. 

Lena Jäger ist Projektleiterin des Frauenvolksbegehrens und verantwortlich für die generelle Strategie zur Information und Mobilisierung. 

Angelika Striedinger leitet am Karl-Renner-Institut den Arbeitsbereich Gleichstellungspolitik und Nachwuchsförderung. Sie war in der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) und der Internationalen Bildungsgewerkschaft (EI) tätig, und hat an der Wirtschaftsuniversität Wien zum Thema Gleichstellungsarbeit in Organisationen promoviert.

Kongress-Zeitung

Auch 2018 gab es wieder drei Ausgaben von der moment, die ihr hier nachlesen könnt.

Redaktion: Moritz Ablinger (MA), Kathrin Glösel (KG), Max Schwarzenbacher (MS), Johanna Teufel (JT)
Layout: Susanne Gusenbacher
Fotos: Clemens Sauerwein. Ansonsten wie angegeben.